Der Ukraine-Krieg; Ein paar schnelle Gedanken meinerseits

Es ist einige Zeit her, dass ich einen Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht habe und eigentlich lässt es meine Zeit auch nicht zu, aber der Ukraine-Krieg ist doch ein Thema, welches man nicht ignorieren kann. 

Ich werde keine Nacherzählung der bisherigen Ereignisse seit dem 24.Februar anlegen, da ich glaube, dass ein Großteil meiner Leser weiß, was bisher passiert ist und dementsprechend versuche ich, mich auf eine erste Analyse zu beschränken. Und Herrje, ich kann absolut nicht verstehen, was Russland da genau reitet. 

Versuchen wir mal, das ganze aus einer geopolitischen Perspektive zu betrachten und da muss man eigentlich schnell zum Urteil kommen, dass dieser Krieg absolut sinnlos ist und Russland unnötig isoliert. Gleichzeitig begibt man sich in eine noch größere Abhängigkeit von China, die allerdings ebenfalls vorsichtig sein werden, um nicht ebenfalls sanktioniert zu werden. Im schlimmsten Fall kann Russland also ganz alleine dastehen. Auf wirtschaftlicher Ebene lässt sich festhalten, dass durch die neuen Sanktionen der europäischen Union und den Vereinigten Staaten  die Russische Föderation sich vor allem wirtschaftlich auf einer enormen Talfahrt befindet. Erste Rating-Agenturen gehen bereits von einer baldigen Staatspleite aus, welche auch für ein autoritäres Regime gefährlich werden kann. Wenn Putin seine Polizisten und Geheimdienste nicht mehr bezahlen kann, werden auch diese bisher loyalen Gruppen sich gegen ihn wenden. Nicht zu vergessen sind die Oligarchen, die aufgrund der neuen Sanktionen es immer schwerer haben, ihren Reichtum in den verachteten westlichen Staaten auszuleben. Schlussendlich muss man davon ausgehen, dass mit fortlaufender Dauer der Sanktionen eine Instabilität des politischen Systems in Russland einkehrt. Dann muss man aber auch die Frage stellen: Was kommt danach?

Aktuell hofft man, dass durch ein mögliches Ende von Putin ein neuer, moderner und liberaler Präsident an die Macht kommt, der Russland zurück in die internationale Staatengemeinschaft führt. Aber man sollte sich auch für ein mögliches „Worst-Case“ Szenario vorbereiten, indem ein noch radikalerer Präsident die Macht in Russland übernimmt und endgültig auf Konfrontationskurs mit den Russen geht. Man sollte sich im Westen keinen Illusionen hingeben.

Militärisch wird man wohl weiterhin versuchen, die ukrainische Bevölkerung  durch gezielte Militärschläge auf zivile Infrastruktur zu demobilisieren und Kriegsverbrechen mindestens in Kauf nehmen, wenn nicht sogar fördern. Hinzukommen Söldnergruppen wie die Wagner-Gruppe oder Soldaten aus Tschetschenien, die für ihre Brutalität berüchtigt sind. Zudem gibt es bereits erste Geheimdienstberichte, die einen Einsatz von chemischen Waffen oder taktischen Nuklearsprengköpfe befürchten, um einen Durchbruch in der Ukraine zu erlangen. Ich kann diese Geheimdienstberichte natürlich nicht verifizieren, allerdings sollte man diese mit Sorge zur Kenntnis nehmen, da ein Einsatz von diesen den Kriegsverlauf tatsächlich elementar verändern könnten. Dazu gehört auch die Rolle der NATO. Aktuell versucht sie, die Ukraine durch massive Waffenlieferungen zu unterstützen, ohne selber in eine Konfrontation mit Russland zu geraten, was eine kluge und angebrachte Vorgehensweise ist. Allerdings dürfte sich das verändern, sollte von Seiten Russlands Giftgas oder gar nukleare Waffen eingesetzt werden. Ich halte es offen gesagt für zweifelhaft, dass sich die NATO in Anbetracht der daraus resultierenden Schäden und dem menschlichen Leid weiterhin eine direkte Konfrontation durch Intervention verhindern kann. Solche Bilder dürften in den westlichen Staaten einen massiven Aufschrei erzeugen, der eben jene Politiker unter Druck setzt. Diese möglichen Szenarien zeigen, dass man sich durchaus mit dem Thema beschäftigen sollte und nicht nach 4 Wochen unter ferner liefen einheften sollte. 

Grundsätzlich bin ich aber negativ über die militärischen Kapazitäten Russlands überrascht. Ich muss zugeben, dass ich nicht mit so massiven Problemen in der Logistik als auch in der Militärstrategie gerechnet habe. Nun muss ich hinzufügen, dass ich kein Militär-Experte bin, aber den Einsatz von russischen Fallschirmjägern ohne die gleichzeitige Unterdrückung der aktiven Flugabwehr (!) Hat mich schon schockiert, weil man damit einen Haufen junger Menschen blind in den Tod geschickt hat. Von einer angeblichen Weltmacht darf sowas nicht kommen. Hinzu kommen Probleme mit billigen chinesischen Reifen, die dafür sorgen dass Fahrzeuge im Schlamm stecken bleiben oder eine nicht existierende Logistik. Daraus resultiert natürlich eine geringe Kampfmoral in den russischen Truppen, die zudem aufgrund der Nähe zwischen Ukrainern und Russen unter Umständen Verwandtschaft in der Ukraine haben und ebenfalls einen Einfluss haben. 

Im Gegenzug muss ich den Ukrainern meinen höchsten Respekt zollen: Den Widerstand, den sie gegen die russischen Invasoren leisten, ist beispiellos und fantastisch. Diese Leute wissen, wie wichtig es ist, in solchen Situationen um ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu kämpfen und nehmen diesen Kampf an. Dementsprechend finde ich speziell deutsche Forderungen, die Ukraine solle doch kapitulieren um „weiteres Blutvergießen“ zu verhindern für absolut frech und zeigt, wie weit wir Deutschen uns mittlerweile von der außenpolitischen Realität entkoppelt haben. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr. 

Schlussendlich muss man festhalten, dass Putin sich mit der Ukraine-Invasion verkalkuliert hat. Er hat es nicht geschafft, Kyiv innerhalb von 48h einzunehmen und wurde von der Widerstandskraft der Ukrainer überrascht. Sein Plan, ein Marionettenregime zu installieren, dürfte allerspätestens jetzt im Mülleimer landen. Weiterhin dürfte er nicht mit einer so starken und geeinten Reaktion des Westens gerechnet haben. Während man 2014 noch sehr zögerlich mit Sanktionen gegenüber Russland war, weil man auf Dialog hoffte, hat man 2022 endlich konsequent gehandelt und Russland in eine beispiellose Wirtschaftskrise geschickt. Der Rubel wurde innerhalb kürzester Zeit entwertet, Große Teile der Devisenreserven der russischen Zentralbank wurden gesperrt und unzählige westliche Unternehmen verlassen nun das Land. Der angebliche 4D-Schachspieler Vladimir Putin hat gezeigt, dass auch er nur mit heißem Wasser kocht.

Spannend dürfte es werden, was die ganzen Ereignisse für die Zukunft Russlands bedeuten. Da ist aktuell viel möglich, von einem noch radikaleren Präsidenten bis zu einem modernen, aufgeschlossenen Präsidenten, der das Land entscheidend modernisiert und wieder dem Westen annähert. 

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