Beim heutigen Nachrichten lesen bin ich über folgenden Artikel gestoßen, über welchen ich doch einige Gedanken los werden muss, weil dieser schlichtweg unverschämt ist.
Anklage gegen Donald Trump: Die US-Demokratie bekommt, was sie verdient | ZEIT ONLINE
Grundsätzlich ist es nichts neues, dass in Deutschland regelmäßig das Ende der USA verkündet wird und es ist auch nichts neues, dass man gerne mal von oben herab andere Länder und insbesondere die USA moralisch belehrt. Aber dieser Artikel schießt ehrlich gesagt alles ab. Anbei ein Zitat, bei welchem ich wirklich wütend geworden bin:
“Für die US-amerikanische Demokratie ist es ein trauriger Anblick. Es ist ein Tiefpunkt, den sie sich selbst zuzuschreiben hat.
Amerikaner sparen nie an Pathos, wenn es um ihr Land und ihre Identität geht. Diese Selbstinszenierung folgt immer gleichen Mustern: die älteste Demokratie der Welt, in der alles am Größten und Herausragendsten ist und die die Werte der westlichen Welt mit patriotischen Gesten bis ins Letzte verteidigen wird. Es ist dieses Land, das die Figur Donald Trump geschaffen und zum Erfolg verholfen hat. Trump hat nicht weniger Pathos, aber all das will er eben genau nicht verteidigen. Er will das System zum Einstürzen bringen, damit es ihm, dem Größten, genehm wird. Demokratische Strukturen stören da nur, herausragend kann das Land ja trotzdem bleiben. Exzeptionalismus nach Trump lässt sich beliebig umdeuten.
In der Arroganz ihrer Haltungen treffen sich das Land und sein Ex-Präsident. Trump glaubt, mit allem davonzukommen: Mit genug Geld jeden politischen wie geschäftlichen Skandal abwenden zu können. Mit rassistischen, misogynen und insgesamt verachtenden Erzählungen, die seine Basis elektrisieren. Weil am Ende dieser Geschichten die eigene Großartigkeit steht. Wer andere fertigmachen kann, wertet sich selbst auf. Darin finden sich auch Wählerinnen und Wähler wieder, die nicht mit dem Privatjet reisen und sich in einer in allen gesellschaftlich relevanten Themen auseinandergefallenen Gesellschaft nach dieser Art von Aufwertung sehnen.”
Es ist wirklich bemerkenswert, mit was für eine Arroganz und Selbstüberschätzung Journalisten aus dem Land der ewigen Großen Koalition und der “Alternativlosigkeit” die amerikanische Demokratie niederschreiben und dabei auch eine Art Schadensfreude vermitteln. Das Land, in welchem eine Bundeskanzlerin 16 Jahre lang jeden demokratischen Diskurs zum einschlafen gebracht hat, von der Substanz gelebt hat und jetzt in vielen Bereichen abgehängt wird. Das Land, dessen Vorfahren trotz allem Wissen Adolf Hitler gewählt haben, weil dieser ihnen einen Sündenbock für die Weltwirtschaftskrise 1929 und die labilen Jahre der 1920er Jahre präsentiert hat und später willig in einen irrsinnigen Krieg gezogen ist.
Um klar zu sagen: Ja, die US-Amerikanische Demokratie ist nicht perfekt, sie hat genau wie alle anderen westlichen Demokratien auch Probleme und auch die USA hat mit Populismus zu kämpfen. Aber ein Land mit so einer Vergangenheit und einer AfD bei 15% sollte lieber mal bei sich vor der Haustür kehren und die eigenen Hausaufgaben erledigen und nicht andere Länder belehren. Vor allem sollte man von der Arroganz runter kommen, dass nur das eigene Parlamentarische System das “wahre” Demokratische System sei und Länder wie die USA und Großbritannien doch endlich von den guten Deutschen lernen müsse. Diese Länder haben deutlich längere demokratische Traditionen und haben auch in schweren Zeiten getrotzt, während Deutschland mehrere Anläufe benötigte, um eine stabile Demokratie aufzubauen.
Mehr gibt es zu diesem “Kommentar” nicht mehr zu sagen.